Portrait Marsll

Ostrock war für mich nie Nostalgie

Ein persönlicher Text über Haltung, Sprache und das, was bleibt.

Ostrock war für mich nie Rückblick. Er war Gegenwart, lange bevor ich wusste, was Musik für mich einmal bedeuten würde.

Diese Songs gehörten einfach dazu. Im Elternhaus. Im Alltag. In Gesprächen, die nebenbei liefen. Nicht als Statement, sondern als Sprache.

Was mich daran gehalten hat, war nie der Klang. Es war die Art, Dinge zu sagen, ohne sie zu erklären. Direkt, ruhig, manchmal unbequem, aber immer ehrlich.

Früher war nicht alles besser. Aber manches war klarer. Und diese Klarheit hatte nichts mit Politik zu tun, sondern mit Haltung.

Über die Jahre sind daraus Begegnungen geworden. Gespräche mit Menschen, die diese Musik geprägt haben. Nicht als Heldenverehrung, sondern als Austausch.
Zuhören, Nähe, gemeinsame Sprache.

Ostrock hat mir gezeigt, dass Musik nicht laut sein muss, um etwas zu tragen. Dass Widerstand nicht schreien muss. Und dass Heimat manchmal ein Gefühl ist, kein Ort.

Diese Prägung ist geblieben. Nicht als Stil, nicht als Zitat. Sondern als Maßstab.

Wenn ich heute Musik mache, suche ich genau das: Worte, die nicht gefallen wollen.
Töne, die nichts beweisen müssen.

Marsll ist kein Ostrock-Projekt. Aber ohne diese Musik wäre Marsll nicht denkbar.

Vielleicht ist das der Grund, warum Ostrock für mich nie alt geworden ist. Er gehört nicht in eine Zeit. Er gehört nach innen.

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